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Kann ich in meinem Leiden wirklich Ruhe für die Seele finden? (Teil 1)

Ein Artikel von Maurits
6 Minuten Lesedauer

Mt 11,28-29: „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“

 

Frage: Wie kann es sein, dass ich nicht zur Ruhe kommen kann, wenn ich doch Christus nachfolge? Warum ist mein Leben so ermüdend, anstrengend, mein Leiden und meine Verzweiflung so erdrückend? Sollte in Christus nicht Frieden und Ruhe sein?

Antwort: Ja und nein. Ja, in Christus ist Frieden und Ruhe zu finden. Jesus selbst sagt: „Frieden hinterlasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch; euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!“ (Joh 14,27) Er verspricht einen Frieden, der allen Verstand übersteigt (Phil 4,7). Doch dieser Friede ist kein Friede der Welt, kein Frieden mit der Welt und kein Frieden in der Welt. Es ist ein viel herrlicherer, schönerer und tiefgreifenderer Frieden. Es ist der Frieden mit Gott (Röm 5,1) und ein Friede, der unsere Herzen regieren soll (Kol 3,15).

Doch im Alltag des christlichen Lebens sind wir gejagt von Anfechtungen des Fleisches, Angriffen des Satans und seiner Dämonen und Versuchungen der Welt. Diese bringen unseren alten Menschen in Unruhe, in Unfrieden.
Niedergeschlagenheit, inneres Leid, Schwermut, geistliche Depressionen sind eine notwendige Folge des Lebens in Christus und des Strebens nach Heiligung. Wir kämpfen keinen Kampf gegen Fleisch und Blut, sondern einen gegen unsichtbare Mächte der Finsternis (Eph 6,12).

Das Fleisch kämpft gegen den Geist (Gal 5,17), die Welt kämpft gegen den Christen (Joh 15,18-19; 16,33), der Satan versucht alles von Christus zu verschlingen (Mk 4,15; 1.Petr 5,8). Sollten wir da nicht unruhig sein? Sollte da unser Geist nicht angegriffen und angefochten sein? Wenn alles Sündhafte und Gottfeindliche, Gottlose um uns herum den Angriff auf Christus und die Seinen ausführt, stehen wir dann nicht mitten im Kreuzfeuer?

Ein Kind Gottes wird leiden. Doch darin besteht der Friede, dass wir uns an Christus halten dürfen und wissen, dass der Gott des Friedens gesiegt hat. Unsere Ruhe und unser Friede sind nicht äußerlich; sie bestehen nicht in Entspannung und Freiheit von Angriffen, von Niedergeschlagenheit oder Unruhe. Unsere Ruhe und unser Friede sind in Jesus, der als Fels fest bleibt allezeit. Und selbst, wenn uns nur noch zum Weinen zumute ist und alle Hoffnung in Verzweiflung umgeschlagen, bleibt diese Gewissheit bestehen. Jesus ist unser Friede.

Und nicht nur das: Er ist auch unsere Sicherheit! Satan und seine Schergen können hetzen und plagen und quälen, so viel sie wollen. Doch je hitziger ihr Angriff, je größer der von ihnen erzeugte Leidensdruck, um so sicherer können wir uns sein, dass wir gewünscht und geliebt sind im Reiche Gottes. Wieso sollte Satan uns angreifen und uns in Finsternis stürzen wollen, wenn das Licht Gottes nicht auf uns scheinen würde?
Seine Angriffe sind ein Zeichen unseres Glaubens und unserer Zugehörigkeit zu Gott, unseres Werts und Diensts in Christus. Und darin dürfen wir voller Überzeugung wissen, dass Er uns trägt und bewahrt. Denn Er selbst hat uns geschaffen zu guten Werken, die er zuvor für uns vorbereitet hat, dass wir darin wandeln sollen (Eph 2,10). Er ist der Anfänger und Vollender unseres Glaubens (Heb 12,2), der in uns das Wollen und das Vollbringen wirkt (Phil 2,13). All diese Verheißungen sind wahr und werden erfüllt, weil Jesus treu ist und sich selbst nicht verleugnen kann (2.Tim 2,13). Und darin liegt unsere Sicherheit, dass Christus uns erhält. Satans Angriffe können grausam sein – doch Jesus ist stärker. Und er vollendet unseren Lauf, den wir mit ihm vollenden (Heb 10,14, Phil 1,6, 2.Tim 4,7).

 

Frage: Aber ich folge Christus doch nach um seiner Ruhe willen. Nur in ihm finde ich Frieden. Wieso erlange ich diese Gewissheit nicht? Wieso kann ich mich nicht daran festhalten, dass er Frieden schenkt?

Antwort: Wir folgen Christus nicht um der Ruhe oder des Friedens willen. Wir folgen ihm nach, weil er uns erlöst und freigekauft hat von der Sündenschuld und der Sklaverei der Sünde (1.Kor 6,20; Röm 6,17). Wir folge ihm nach, weil wir ihm gehören und wir ihn lieben (Joh 15,10). Jede Motivation der Nachfolge, die nicht aus der Liebe zu unserem Erlöser entstammt, ist bestenfalls ermüdend, auslaugend und schlimmstenfalls gesetzlich.

Die Nähe Gottes zu suchen und seine Gebote halten zu wollen, um daraus Ruhe und Frieden zu erhalten, ist nichts anderes als Werksgerechtigkeit. Wie könnte ein solcher Zugang jemals Ruhe ermöglichen?
Nur in Christus ist Ruhe und Frieden und er gibt sie denen, die ihn fürchten, denen, die in seinem Namen leben – und das ist entsprechend der Liebe des Vaters. Die erste Frucht des Geistes ist die Liebe (Gal 5,22), der Glaube ist wirksam durch die Liebe (Gal 5,6), in Liebe sind wir gewurzelt und gegründet, um Christus, und was ihn ausmacht, zu erkennen (Eph 3,17f). Unser Glaube und die Liebe sind unmittelbar miteinander verbunden. So nennt Paulus den Brustpanzer der Gerechtigkeit in 1.Thess 5,8 den Brustpanzer des Glaubens und der Liebe.

Nur aus der Liebe können wir Christus wirklich nachfolgen und nur darin in der Erkenntnis seiner und seines Wesens wachsen und Frieden und Ruhe für die Seele finden.

Fortsetzung folgt.


Maurits M. ist Mitglied der Evgangelikal-freikirchlichen Gemeinde Graz und ist Diakon für Gottesdienste. Er ist verheiratet und ist Vater von 3 Töchtern und arbeitet als Physiotherapeut in einem Altersheim.

Kommentar ( 1)

  1. Gerlinde Eckstein says:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Er spricht mich sehr an. Er zeigt sehr verständlich auf, dass Nachfolge und Leiden einander nicht widersprechen sondern ergänzen. Der schwache, kleine Druck der Schrift ist für Menschen mit Sehschwäche (alte Menschen wie mich…) anstrengend zu lesen.
    Aber: Vielen Dank für die hilfreichen und wahren Gedanken!
    Gerlinde Eckstein